Wir nehmen's wieder
gelassen, wie vom Himmel geschickt, das gewohnte tägliche und nächtliche
Verkehrsgewühle durch und in Friedrichshafen. Und so wird es auch noch fünf,
acht, zehn oder mehr Jahre bleiben. Mit viel persönlichem Einsatz, über die
meisten Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg, hat das Bündnis B 31 vor zwei
Wochen rund ein Prozent der Häfler Bürger für eine Demo in ihrem ureigensten
Interesse mobilisieren können. Dafür herzlichen Dank und ein dickes Kompliment
für den Mut, der Verwaltung und der Mehrheit der Stadträte die Arbeit
abzunehmen.
Aber Nachdenklichkeit
bleibt - nicht nur bei den Initiatoren und Organisatoren. War wirklich nur das
Wetter die Ursache für die eher bescheidene Beteiligung der Betroffenen? Oder
war das Wetter vielleicht nur die willkommene Begründung für den fehlenden
Glauben an den Erfolg? Schon im Vorfeld der Demo bleiben wichtige, durchaus
unangenehme Fragen offen: Wer soll sich durch die Demo eigentlich konkret
angesprochen fühlen? Wer sind die verzögernden Gegner unseres Anliegens? Wo
sind die Handzettel mit fünf deutlichen Forderungen an diese Gegner? Wo ist
eine knackige Resolution mit der Androhung weiterer Aktionen?
Bei aller Friedfertigkeit
und Gelassenheit: Eine Demo ohne zugespitzte Forderungen an namentliche
Adressen wird immer eine Art Bittgang für besseres Wetter bleiben und dafür
sind die Mühen des Bündnisses B 31 zu schade. Allgemeine Bekenntnisse zur B 31
Neu an Bund, Land, Regierungspräsidium, Stadt und Einsprecher wollen sich die
Häfler einfach nicht mehr anhören. Vieles ist planerisch und politisch in den
vergangenen Jahren unter dem Schutzschild gegenseitiger Schuldzuweisungen
schief gelaufen. MdL Ulrich Müller hat noch am 27. Juli die Sachlage in ihrer
ganzen Komplexität öffentlich dargestellt. Zeit bestimmend werden demnach die
vielen bekannten und noch zu erwartenden Einsprüche von privater und amtlicher
Seite gegen jede denkbare Trassenführung sein. Vor diesem Hintergrund ist dem
Bündnis B 31 anzuraten, im nächsten Jahr nicht unbeteiligte Autofahrer zu
blockieren, sondern vor Ämtern und Grundstücken der Verzögerer und Verhinderer
mit Namensnennungen griffige Forderungen zu artikulieren und den Protest
ganzjährig fortzusetzen. Vielleicht müsste das Bündnis B 31 auf dem weiteren
Weg auf ein paar "untergeschlupfte" Mitglieder zu Gunsten einer
deutlicheren Positionierung verzichten? Eine überzeugendere Unterstützung durch
die 99 Prozent "Ungläubigen" in Friedrichshafen würde dann die Mühen
des Bündnisses B 31 ganz sicher kräftiger belohnen.
Peter Knauer,
Friedrichshafen