Friedrichshafen - Leserbrief

 

Wir können alles. Außer Straßenbau

Seit Jahren schon wird um die B31 neu gekämpft. Politiker kamen und gingen. Das Problem "B31" blieb und jeweils kurz vor den Landtagswahlen wird die Verkehrsmisere am Bodensee von allen Parteien aus eindrucksvoll angeprangert. Wir sind eine der wohlhabendsten Regionen der gesamten EU. Offensichtlich sind wir für unsere Landesregierung völlig uninteressant. Der Schwerlastverkehr rollt immer noch direkt entlang des Trinkwasserspeichers Bodensee und mitten durch dicht besiedelte Wohngebiete. In nicht einmal 15 Jahren wurde die Autobahn Lübeck in einer wirtschaftsschwachen Region geplant und gebaut. So etwas ist im Südwesten undenkbar.Offensichtlich setzen sich andernorts die Abgeordneten in Land und Bund mehr für die Verkehrsinfrastruktur in ihrer Gegend ein. Offensichtlich haben die Naturschützer andernorts weniger Einwände gegen den Landverbrauch und offensichtlich gibt es dort auch weniger Probleme mit den Landwirten.

Wir alle wissen, dass der Planfall 7,5 nur ein mühseliger Kompromiss und keineswegs die beste Lösung ist. Es ist aber die beste Lösung unter den gegebenen Umständen. Wir haben keine Aussicht auf eine seeferne großzügige Umgehung. Die Landesregierung will noch nicht einmal die Priorität für die B31 neu setzen. Das zynische Motto heißt: "Ihr habt jahrzehntelang die Abgase und den Lärm ertragen, also werdet Ihr es auch weiter ertragen", denn niemand anderem ist eine solche Belastung zuzumuten.

Dr. Jochen Wiesener, Friedrichshafen