Leserbrief Südkurier von
Gerhard Heusch vom 20.10.2003
STRASSEN BAU
Nur viel Geschrei
Zur Verwaltungsreform beim Straßenbau.
Was steckt
hinter der vom Regierungspräsidenten hochgelobten Verwaltungsreform,unter anderem der
Reform des Straßenbauamtes? Macht es einen Unterschied, ob die Behörde, die
seit dem A98-Debakel. Vor 25 Jahren keine brauchbare Alternative zustande
gebracht hat, in Überlingen oder in Friedrichshafen oder in Tübingen residiert?
Wenn jetzt die effizienten Teile dieses Amtes, das sind Unterhaltung und Ausbau
des Kreis- und Landesstraßennetzes, nach Friedrichshafen übersiedeln sollen,
dann fragt man sich, ob der ineffiziente Teil, nämlich die Planung von
Bundesstraßen und Autobahnen, nicht ersatzlos gestrichen werden kann, und zwar sowohl
in Überlingen als auch in Tübingen. Schließlich gibt es freie Verkehrsplanungsbüros,
die dafür erheblich weniger Zeit brauchen als 25 Jahre - von geringerem Finanzaufwand
ganz zu schweigen.
Das Problem
der Straßenplanung im Bodenseekreis ist ja nur in zweiter Linie ein
personelles: In erster Linie handelt es sich um ein strukturelles Problem auf
der Ebene des Regierungspräsidiums: Der Regierungspräsident plant Straßen und
er kontrolliert seine eigene Planung. Das eine macht seine Planungsabteilung, das
andere seine Planfeststellungsabteilung. Es ist so, wie wenn ein Statiker sein
eigener Prüfstatiker wäre oder wie wenn eine Fußballmannschaft ihren eigenen
Schiedsrichter stellen wollte. Der Sieg ist einer solchen Mannschaft so lange sicher,
wie kein Unparteiischer nach dem Rechten sieht. Und der ist im Fall der
Straßenplanung der Verwaltungsrichter. Die sicherste Methode, das Verwaltungsgericht
außen vor der unsauberen P7-Planung zu halten, ist das Hinauszögern des Planfeststellungsbeschlusses,
was ja im Bodenseekreis seit Jahren mit Erfolg praktiziert wird.
Man wundert
sich eigentlich, dass der hiesige Verkehrsminister, der ja auch Umweltrninister ist, nicht bewährte Maßnahmen aus dem Umweltbereich
auch im Verkehrsressort anzuwenden sucht: Nachdem der baden-württembergische
TÜV wiederholt bei der Atomkraftwerk Kontrolle versagt hatte, kündigte Minister
Müller kurzerhand den Wartungsvertrag mit dem TÜV Baden-Württemberg und
übertrug diese Aufgabe dem TÜV Rheinland, mit Erfolg!
Also, Herr
Minister, legen Sie doch mal die P7-Planung dem Landschaftsverband Rheinland
zur Prüfung vor! Dann ginge wenigstens etwas weiter. Dagegen ist die vorgesehene
Verwaltungsreform doch nur viel Geschrei um nichts.
Gerhard Heusch,
Hagnau