"Man muss das Gesamtkonzept sehen"

 

FRIEDRICHSHAFEN - Bei der Podiumsdiskussion, zu der die Schwäbische Zeitung am Montag eingeladen hatte, wurden unter anderem zwei Dinge deutlich: Die "große" Politik ist sich soweit einig, was den Verlauf der B 31-Umgehung angeht. Nur vor Ort wird der Ton langsam rauher: Zwar sind alle für die Entlastungsstraße - bloß will sie keiner vor der eigenen Haustür haben.

 

Von unserer Redakteurin Ruth Auchter

 

Bislang haben sich vor allem die Klufterner organisiert - im mit etwa 150 Personen gefüllten Ludwig-Dürr-Saal trafen nun zum ersten Mal Bürger aus den verschiedenen, von der geplanten Umgehung tangierten Gemeinden aufeinander. Wobei diverse Mitstreiter der Bürgerinitiative "Pro Kluftern" weniger die Gelegenheit nutzten, Fragen an Ulrich Müller, Rudolf Bindig, Petra Selg, Karin Bernhard-Mayer und Dieter Hornung zu richten, als vielmehr ihre Forderungen zu wiederholen: Die L 207 neu wolle man auf gar keinen Fall, da sie als "K.O.-Schlag für die Gemeinde Kluftern" empfunden wird. Wie Hartmut Kohler vom Straßenbauamt Überlingen versicherte, wird neben dieser Planungsvariante derzeit auch der Klufterner Alternativ-Vorschlag der Kreisstraße 7742 untersucht. Wobei Kohler deutlich machte, dass es die übrige B 31-Planung im Grunde nicht weiter tangiert, welche der beiden Straßen letztlich den Zuschlag bekommt: "Man kann die L 207 als Ergänzung des Straßennetzes jederzeit aufsatteln."

 

Auf die Frage eines Lipbacher Bürgers, ob die L 207 neu denn auch gebaut werde, wenn"s die Bürger gar nicht wollen, gab es deutliche Antworten seitens der Politiker: Dieter Hornung geht davon aus, dass zum einen die Gemeinden den Verkehrsplanungen zustimmen müssen und der Kreistag daher zum anderen "nicht gegen den Willen der Betroffenen entscheiden wird". Auch Ulrich Müller versicherte: "Wir erzwingen nix, wenn der Kreis das nicht will." Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass er das zwar schade fände, es ihm andererseits aber "auch recht sein soll - dann spare ich Geld". Freilich schickte der Verkehrsminister auch eine Warnung an die Adresse der Klufterner: Sollten sie mit all ihrer Kritik am Ende durchkommen, könnte es der Gemeinde durchaus blühen, dass sie schließlich weder die eine noch die andere Entlastungsstraße bekommt und "gar nichts passiert". Hornung führte auf den Hinweis von Klufterner Seite, man habe mit der Unterschriftensammlung ja quasi schon einen Bürgerentscheid gegen die L 207 neu durchgeführt, ins Feld: Wenn schon Bürgerbefragung, dann müsse die gesamte Stadt Friedrichshafen mit abstimmen - und nicht allein der Ortsteil Kluftern.

 

Außerdem wies der Kreisrat und Häfler Baubürgermeister darauf hin, "dass man die Straßendiskussion nicht separat führen kann, sondern das Gesamtkonzept sehen muss". Welches im übrigen impliziere, dass etwa auch Häfler Anliegern der neuen B 31 "viel zugemutet wird". Einmal mehr meldeten sich auch die betroffene Landwirte zur Wort, ohne deren Flächen die neue Umgehungstraße nicht gebaut werden kann - unter anderem mit der Bitte an die Adresse der Stadt Friedrichshafen, "das Gespräch zu suchen". Diesbezüglich habe man bislang "einen Ruck seitens der Verwaltung" vermisst. Hornung versprach"s und wies darauf hin, dass man bereits viele Flächen erworben habe, "um jedem Landwirt ein Angebot machen zu können".

 

Wann wird gebaut? Steht das Geld überhaupt zur Verfügung? Bundestagsabgeordneter Rudolf Bindig drängte die Gäste im GZH, die Hausaufgaben in der Region zu erledigen. "Momentan geht es nicht ums Geld, sondern um den klaren Willen der Raumschaft." Damit am Ende die B 31 nicht wieder an den Häflern scheitert.

 

(Stand: 18.06.2002 23:30)