STRASSEN PLANUNGEN

 

Zinsen übernehmen

 

Zur B-31- Umgehung Friedrichshafen: In jüngster Zeit ist viel über die Misere betreffend die B-31-Umgehung Friedrichshafen berichtet worden, sowohl was die Wirtschaftsunternehmen in unserer Stadt betrifft, wie auch die unzumutbar betroffenen Anlieger der jetzigen Durchfahrt von Fischbach bis zum Colsman-Knoten. Nachdem nun sicher zu sein scheint, dass der sofort vollziehbare Planfeststellungsbeschluss Ende dieses Jahres vorliegt, geht es um die Finanzierung dieses Projekts, das insgesamt mit 69 Millionen Euro veranschlagt ist. Trotz der Bemühungen der Stadt, insbesondere des ersten Bürgermeisters Hornung, will das Land nicht, weil der Bund kein Geld habe.

 

Diese Begründung halte ich nach nunmehr über drei Jahrzehnten Planung und Diskussion für absolut unmöglich, unwürdig und für die Bürger unserer Stadt unzumutbar. Natürlich haben neben dem Durchgangsverkehr, insbesondere dem stark zugenommenen Güterfernverkehr, durch die Realisierung der B31-Umgehung, die Stadt, ihre Wirtschaftsunternehmen und auch die Bürger überragende Vorteile. Es muss doch möglich sein, die Realisierung, die erst bis 2015 geplant ist und bei einer dreijährigen Bauzeit etwa 2011/2012 beginnen soll, um drei bis vier Jahre vorzuziehen, um die Bürger von den unzumutbaren Belastungen zu befreien und insbesondere die Existenz unserer Messe insoweit nachhaltig zu sichern. Der Geist des Grafen Zeppelin, der für Friedrichshafen so viel getan hat, muss doch soweit reichen, dass man sich auch Gedanken macht über einen Beitrag zur vorgezogenen Finanzierung, die dem Bund keine Nachteile bringt, die Staus vor und in Friedrichshafen vermeidet und den betroffenen Bürgern und auch den Unternehmen mit ihren Arbeitsplätzen nur Vorteile bringt. Diese Gedanken zu vertiefen und zum Erfolg zu bringen wäre gesellschaftlich wertvoll und damit wirklich eine soziale Tat im Sinne des Grafen Zeppelin.

 

Bereits vor über zehn Jahren habe ich bei einer Versammlung im Hotel Traube in Fischbach den Vorschlag unterbreitet, ob es nicht möglich ist die Zinsnachteile, die durch das Vorziehen der Realisierung, saldiert mit der Geldentwertung, entstehen können, dem Bund abzunehmen und diese möglichen finanziellen Nachteile durch einen Zusammenschluss unserer hiesigen Wirtschaftsunternehmen, insbesondere der Stiftungsunternehmen, zu schultern. Unter den damaligen politischen Voraussetzungen konnte dieser Gedanke hier nicht vertieft werden, obwohl seinerzeit die Gesamtumgehung von Ravensburg auf dieser Basis auch finanziert wurde. Drei bis vier Jahre Verzinsung unter Berücksichtigung  der Geldentwertung, der Umweltschonung durch vermeidbare Staus, dürften sich allerhöchstens auf zwölf bis 15 Millionen Euro für den vorgesehenen Zeitraum belaufen. Dies muss doch möglich sein, wenn alle Verantwortlichen diesen Gedanken aufnehmen. Die aus dem Luftschiffbau entstandenen Unternehmen, wie ZF, MTU und Zeppelin, müssten sich in Verantwortung gegenüber den Bürgern unserer Stadt sehen, zumal die finanzielle Lage dieser Unternehmen durchaus gesund ist.

 

 

Hellmut Kraus, Prokurist bei Zeppelin GmbH bis 1988, Friedrichshafen