STRASSENPLANUNGEN
Ulrich Müllers P7 –Offensive
Zu "Mal Positives von der
Straßenschlacht", Abgeordneter Ulrich Müller; im SÜDKURIER vom
28.September:
Nach dem
A-98-Debakel von 1979 und der verunglückten Stadtumfahrung
Friedrichshafen von 1990 ließ das Straßenbauamt 1998 mit dem viel
versprechenden Vorhaben, den Verkehr im ganzen Bodenseekreis neu ordnen zu
wollen, aufhorchen. Inzwischen ist das vollmundig angekündigte Projekt mit dem
Kürzel "P 7.5" mangels Zustimmung in eine Vielzahl von
Teilabschnitten zerlegt worden, und der Finanzminister ist der Logik der
Zauderer gefolgt und hat den einzelnen Abschnitten entsprechend ihrem
achtjährigen Planungsstand unterschiedliche Prioritäten zugewiesen.
Das
erzürnte den Landtagsabgeordneten Norbert Zeller, weil er darin zu Recht - wie
ich meine - den Anfang vom Ende von P 7.5 vermutet. Auch Friedrichshafens
Ex-Stadtrat Rolf Schilpp, seit Längerem des
Debattierens über den Verkehr müde, hat sein Engagement für eine Verkehrsentlastung
von Friedrichshafen von den Sitzungssälen der Politiker auf die Straße verlegt.
Da kommt
nun der gestolperte Verkehrsminister Ulrich Müller daher und sorgt für gut
Wetter an der P- 7-Front, indem er Kampfhaltung einnimmt und sich siegesgewiss
gibt, etwa ein Zehntel von P 7.5 nach weiteren vier Jahren Planungszeit zu
realisieren. Er hofft nämlich darauf, das Verwaltungsgericht würde den
sofortigen Vollzug des Straßentorsos Friedrichshafen- West genehmigen. Um seine
Optimismusoffensive zu würdigen, muss man wissen, über was alles sich die
Richter dabei hinwegsetzen müssen: Der vierspurige Teilabschnitt ist eingehängt
zwischen der zweispurigen B 31 bei Immenstaad und dem zweispurigen Tunnel an
der Alten Messe in Friedrichshafen; er enthält den heiß bekämpften Spaltensteiner Knoten; er ignoriert die kostengünstigere
Hinterlandalternative über Markdorf und Salem, die zusätzlich als Zubringer
ausgebaut werden soll; er ist Teil der P-7-Trasse, die aufgrund eines
mathematischen Verkehrsmodells ausgewählt wurde, welches keinen Unterschied
macht zwischen fließendem und ruhendem Verkehr.
Man darf
also gespannt sein, ob das Verwaltungsgericht dumm genug ist, sich von solchen
Rambo-Allüren beeindrucken zu lassen. Und wenn nicht, ob es dem Gericht
gelingt, die Verantwortlichen von der Straße und von den Medien zurückzupfeifen
zu sachlicher Planertätigkeit mit kühlem Kopf und mit der Fähigkeit zum Zuhören
und zum Kompromiss. Die Menschen am Bodensee Wünschen nicht länger als nunmehr
28 Jahre von Maul- und Muskelhelden der Verkehrsplanung an der Nase
herumgeführt zu werden!
Gerhard Heusch, Hagnau