VERKEHR

 

Consult-Zahlen sind viel zu hoch

 

 

Zu" Verkehr stagniert zum ersten Mal", Beitrag vom 25. April, und den Beiträgen zur B-31-Erörterung vom 27. und 28. April

 

 

Mindestens seit 1995 stagniert der Pkw-Verkehr im Kreis nicht nur, sondern ist sogar rückläufig, mit wenigen Ausnahmen wie der B 31. Nach den amtlichen Verkehrsmengenkarten nahm der Verkehr zwischen 1990 und 2000 um 5 Prozent ab (die Zählung 2005 ist noch nicht ausgewertet); im Auftrag der Stadt Friedrichshafen wurde 1992 und 2004 an jeweils 27 Hauptstraßen gezählt: Abnahme um rund 12 Prozent; Radarmessungen in der Maybachstraße vom 2. März bis zum 3. April: Abnahme um 21 Prozent gegenüber 2004; L 201 zwischen Mühlhofen und Salem: Rückgang zwischen 2002 und 2005 um 28 Prozent...

 

Schon die Zahlen der Ist-Analyse des Gutachters Modus Consult liegen um fast 30 Prozent zu hoch, denn er hat zum falschen Zeitpunkt gezählt (am 30. Juni 1998 und am 5. Juli 2005, also mitten in der Touristensaison), und da ist der Verkehr um rund 20 Prozent über dem Jahresschnitt. Ferner rechnet er mit einem Anteil des Nachtverkehrs von 15 Prozent, während die Zählungen in Friedrichshafen nur 7,5 Prozent ergeben. Bei der Prognose leistet sich der Gutachter einen weiteren kapitalen Fehler. Anstatt sich den Entwicklungstrend seit 1990 und die Gutachten zum Bundesverkehrswegeplan anzusehen, nimmt er an, dass der Verkehr proportional zur Zahl der Pkw im Kreis ansteigt. Gegenüber 1990 wären dies bis heute plus 40 Prozent.

 

Seriöse Prognosen bis 2020 zeigen beim Individualverkehr deutlich nach unten, lediglich der "schnelle Fernverkehr" (der im Bodenseekreis nur eine sehr bescheidene Rolle spielt) zeigte bisher noch Zuwachsraten.

 

Statt 20 Prozent Zuwachs nach Modus Consult ist eine weitere Abnahme anzunehmen, die Prognosezahlen können fast halbiert werden. Die B-31-Planung mitsamt Umgehungsstraßen bis Salem hängen vollkommen in der Luft. Die Stadtverwaltung Friedrichshafen müsste dies eigentlich wissen, und das Regierungspräsidium wird sich für die zu erwartende gerichtliche Auseinandersetzung warm anziehen müssen, wenn es an der Planung festhalten will.

 

 

Dr. Herbert Hanke, Salem