Man sagt, das Prinzip Eigennutz sei ein Grundprinzip des Lebens. Herr Dr.
Wiesener (im Gemeinderat Friedrichshafen für Bürger Aktiv) liegt demnach
richtig, wenn er unter dem Druck seiner verkehrsgeplagten Fischbacher
Mitbürger aufbegehrt und nach Abhilfe schreit. Letztere muss ja nicht exakt dem
derzeitigen Konzept der B 31 neu entsprechen. Es ist jedoch angesichts der
Fürsorgepflicht des Gemeinderates für alle Ortsteile ganz sicher keine Lösung, Verkehrsmissstände
nach dem St.-Florians-Prinzip einfach an einen
anderen Ort, zum Beispiel nach Kluftern, zu
verlagern. Kluftern wird sich also mit allen
Rechtsmitteln dagegen wehren, wie es auch Immenstaad getan hat. Es existieren
fachlich einwandfreie Vorschläge für funktionierende, schonende und billigere
alternative Trassenführungen. Knackpunkte sind die Fragwürdigkeit des vom
Regierungspräsidium dem Bodenseekreis aufgezwungenen Verkehrskonzepts und das
Verantwortungsbewusstsein und die empfundene Fürsorgepflicht seitens der
Legislativen der Städte.
Wie zu beobachten ist, sind letztere Qualitäten dort unterschiedlich
ausgebildet. Fakt ist auch, dass von Regierungspräsidien gefertigte Pläne nicht
immer Meisterleistungen sind. Wie in unserem Falle, wo kompetente unabhängige
Fachleute das ganze Konzept samt seiner Einbindung in das Straßennetz für
falsch erklären. Man kann nur reflektieren, weshalb eine Mehrheit im Häfler Gemeinderat dies nicht bemerken konnte oder wollte.
Doch der Ratsbeschluss steht. Herr Wiesener, daran nicht beteiligt, spricht
weitere auch von Friedrichshafen mit zu verantwortende Fehlläufe an. Seine
angedeutete Bereitschaft zur Opferung von Natur und Landwirtschaft sollte aber
nicht üblich werden. Er und der damals kontra stimmende Ratsteil haben
angesichts der Gefährdung des Projektes durch Klagen die Chance, einen
Kompromiss zu suchen und die gröbsten Fehler auszumerzen. Es ist ferner zu
hoffen, dass die Verkehrsbündelung des West-Ost-Verkehrs von fast 50 000 Kfz
pro Tag und seine Führung durchs Stadtgebiet von Friedrichshafen nach
Ravensburg an der Vernunft der Verkehrsteilnehmer scheitert. Sie werden vom
Westen direkt nach Ravensburg fahren. Dadurch könnte die vom Rat beschlossene
Verlärmung und Vergiftung des Stadtgebietes reduziert werden.
Rudolf Moser, Markdorf